Arztbesuch für die Armen


„Wir sind hier zusammengekommen, um dieses so kleine, und doch so große Gebäude einzuweihen und zu segnen, das denen zu Gute kommen soll, die besonders wenig Schutz genießen“. So sagt es Elizabeth Ubidia, die Sekretärin der Gemeinde „La Concepción“ zur Begrüßung. Das kleine Gebäude misst rund 25 Quadratmeter: Ein ärztlicher Behandlungsraum mit Wartezimmer und Bad, der mit Spenden der Damas Alemanas binnen zweier Monate errichtet wurde. Heute haben sich hier rund 25 Menschen versammelt, die warmen Applaus spenden, als Damas-Vorsitzende Beatriz Schlenker und Projektpatin Patricia Zehnle gemeinsam das Band vor dem Eingang zu der neuen Praxis zerschneiden. 

Seit 2018 betreut der Arzt Dr. Nelson Carillo auf dem Gelände der Gemeinde „La Concepción“ in Chaupicruz, einem Bezirk im Norden Quitos, kostenlos Patienten, die nicht über die finanziellen Mittel für einen Arztbesuch verfügen. Familien mit Kindern, Menschen die auf der Straße leben, venezolanische Flüchtlinge. Die Behandlung erfolgte, wo immer gerade Platz war: Im Arbeitszimmer von Pfarrer Manuel Proaño, dessen Sofa als Wartezimmer diente. Oder auch auf einer Mauer im Kirchhof.

Dr. Nelson Carillo behandelt Patienten, wo es geht – wie hier im Hof. Foto © Pfarrer Manuel Proaño
Dr. Nelson Carillo behandelt Patienten, wo es geht – wie hier im Hof. Foto © Pfarrer Manuel Proaño

Zwischen fünf und fünfzehn Patienten kommen im Durchschnitt am Tag. Besonders viele sind es, wenn einmal wöchentlich Essensrationen verteilt werden. Meist sind es Mütter mit Kindern, bei diesem Anlass auch die Gelegenheit ergreifen, ihre Kleinen ärztlich untersuchen zu lassen. Das staatliche Gesundheitswesen ist hoch defizitär und schafft es seit Beginn der Pandemie nicht mehr, die zunehmende Zahl an Menschen in extremer Armut zu betreuen. Ein Besuch in einer privaten Arztpraxis ist für alle von ihnen undenkbar.

Seit 2015 arbeiten die Damas Alemanas mit dem umtriebigen Pfarrer von „La Concepción“ zusammen; vor Beginn der Pandemie betreuten sie einmal wöchentlich einen Mittagstisch für Kinder, an dessen Stelle aufgrund der Schutzmaßnahmen im letzten Jahr die Verteilung von Essenspaketen getreten ist.

Die Pandemie ist in Ecuador noch lange nicht vorbei. Sie hat vielen Menschen den Zugang zu ärztlicher Versorgung zusätzlich erschwert. Deshalb werden Projekte wie dieses einen Schwerpunkt unserer Arbeit im kommenden Jahr darstellen, um nicht nur kurzfristig Not zu lindern, sondern auch nachhaltig zu helfen.

Sie können mit einer Spende helfen.

Cumbayá, Ecuador – 29.08.2021 – Benita Schauer


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